21. – 23. September 2018

Freeriden und Bike-Bergsteigen in den Dolomiten

Schon lange wollte ich mal wieder in die Dolomiten, um im Fanes-Gebiet zwei Touren zu machen, die ich schon seit geraumer Zeit auf der ToDo Liste hatte.

Da kam die Initiative von Matthias gerade recht, denn auch er wollte nochmal für ein Wochenende in die Dolomiten. Wir fragten also bei den Rabe-Bike & Friends nach und wie erwartet waren wir nicht die Einzigen, die diese Idee gut fanden. Schließlich waren neben Matthias und mir auch noch Michl, Sebastian und Wolfi mit dabei. Eigentlich wollte ich auf der Fanes- oder Lavarella-Hütte übernachten, doch beide waren bereits Wochen vorher ausgebucht. Wir bekamen aber noch Zimmer in der Pederü-Hütte am Ende des Rautales, was sich letztendlich als optimaler Ausgangspunkt herausstellte, da wir das Gepäck im Tal lassen konnten und die Autos in der Nähe hatten.

Matthias konnte am Freitag leider erst nachmittags los, aber Sebastian, Wolfi, Michl und ich starteten schon am Freitag in der Früh und trafen uns bereits um 8:30 beim Lanz am Brenner zum Frühstücken.

Bitte beachtet beim Befahren die DIMB-TrailRules!

Gesamt-Daten:

Entfernung:92 km
Uphill:ca. 3.100 Hm
Downhill:ca. 7.580 Tm

21. September 2018

Freeriden am Kronplatz

Nach dem Frühstück ging es weiter Richtung Süden und schließlich ins Pustertal bis nach Reischach zur Talstation der Seilbahn Kronplatz 2000. Zur Einstimmung auf das Wochenende wollten wir uns auf den Trails am Kronplatz beim Freeriden ein wenig eingrooven.

Wir kauften uns also ein Tagesticket und fuhren mit der Gondel hinauf auf den Kronplatz. Hier oben genossen wir kurz die Rundumsicht von der Glocke und fuhren dann als erstes zum warm werden Richtung Osten den Gassl-Trail (den einfachsten der Kronplatz Trails) hinunter. Ein recht flowiger Trail, der ohne große Schwierigkeiten über 8,6 km und ca. 1.100 Tiefenmeter hinunter zur Talstation nach Gassl führt. Eigentlich hätte uns oben schon auffallen müssen, dass die Gassl-Seilbahn gar nicht fuhr, aber nachdem im Internet alle Freeride-Lifte als offen gekennzeichnet waren, haben wir überhaupt nicht darauf geachtet. Umso überraschter waren wir, als wir unten angekommen feststellen mussten, dass die Seilbahn zu hatte 🙁 . Es blieb uns also nichts anderes übrig, als über den Pustertal-Radweg Richtung Bruneck und zurück nach Reischach zu pedalieren. Die 15 km und 180 Hm waren zwar nicht eingeplant, aber so schlimm war es auch nicht. Zurück in Reischach fuhren wir also wieder nach oben und da es bereits nach 13:00 Uhr war, machten wir im Restaurant Corones erst mal unsere Mittagspause, die wir bei herrlichem Sonnenschein draußen verbrachten.

Nach dem Essen fuhren wir dann auf dem Furcia-Trail (4,6 km, 525 Tm) hinunter zum Furkelpass. Dieser, wie der Gassl-Trail auch, als mittelschwer eingestufte Trail weist schon ein paar mehr Schwierigkeiten auf ist aber ebenfalls sehr schön und problemlos zu befahren. Vom Furkelpass fuhren wir mit der Ruis-Gondel wieder zurück auf das Gipfelplateau des Kronplatz.

Als nächstes wollten wir den schwarz eingestuften Herrnsteig unter die Stollen nehmen, den ich zuletzt vor 6 Jahren, als er noch recht neu war, befahren hatte. Inzwischen gibt es mit dem „Hans“ und dem „Franz“ ein paar recht herausfordernde Varianten, so dass man bei mehrmaligem Befahren nicht immer die selbe Line nehmen muss. Technisch deutlich anspruchsvoller als die ersten beiden Trails führt der Herrnsteig über 8 km und 1.340 Tm teilweise recht deftig ins Tal. Hier muss man schon hoch konzentriert sein und eine gute Line finden, damit man keinen Abflug macht.

Als wir um ca. 15:45 wieder an der Talstation ankamen, schauten wir uns an und alle Augen sprachen das Gleiche: NOCHMAL 🙂 . Also fuhren wir erneut mit der Bahn hinauf zum Gipfel und fuhren noch einmal auf dem Herrnsteig, diesmal mit anderen Varianten, hinunter ins Tal. Dort kamen wir dann kurz vor 17:00 Uhr ziemlich geschafft, aber glücklich wieder an. Da sage nochmal einer bergab fahren sei nicht anstrengend! In der Talstation gab es noch ein Kaltgetränk und dann packten wir unsere Bike auf die Autos und fuhren weiter nach St. Vigil und das Rautal hinein bis zur Pederü-Hütte.

Tour- und GPS-Daten:

Entfernung:47 km
Uphill:194 Hm
Downhill:4.440 Tm

Dort wartete bereits Matthias auf uns, der Nachmittags noch eine E-Bike Tour auf den Lavinores gemacht hatte. Wir bezogen unsere Zimmer, duschten uns und saßen anschließend beim Abendessen und dem einen oder andern Glas Rotwein zusammen in der Stube und freuten uns auf die kommenden zwei Tage, die jeder für sich, wieder mal ein ganz besonderes Highlight werden sollten. …

Ausgewählte Fotos:

22. September 2018

Monte Vallon Bianco (2.684 m)

Schon seit ein paar Jahren habe ich mich gefragt, ob der Monte Vallon Bianco wohl mit dem Bike zu machen wäre. Auf der Karte sieht zumindest das letzte Stück recht spektakulär aus. Nachdem in diesem Jahr aber ein Tourbericht auf Freeride Inc. Austria veröffentlicht wurde (sh. hier), war klar, dass ich es einmal versuchen wollte.
Am heutigen Tag war es dann so weit.

Nach dem Frühstück um 8:00 Uhr in der Pederü-Hütte starteten wir 40 Minuten später die Auffahrt auf der steilen Schotterstraße hinauf zur Fanes-Hütte. Schon mehrfach bin ich hier hinauf gefahren aber die Landschaft in dieser Gegend begeistert mich immer wieder! Die eine oder andere steile Passage habe ich geschoben, die Auffahrt komplett zu fahren ist mir inzwischen zu anstrengend! Nach 1,5 Stunden hatten wir die Fanes-Hütte erreicht, hier gab es zur Stärkung erst mal einen Cappuccino. Wer dachte bis hierhin war es steil, der wird jetzt eines Besseren belehrt. Die Auffahrt zum Limojoch auf der Schotterstraße ist heftig! Steil, lose und geröllig ist der Weg, den nur die Besten (und natürlich die E-Biker) komplett fahrend bewältigen – ich gehöre nicht mehr dazu 😉 . Vom Limojoch geht’s am Limosee vorbei hinunter zur Gran Fanes Hütte, die bereits geschlossen hatte. Das Wetter war heute nicht ganz so schön, etwas bewölkt und kühl – aber für die anstrengende Auffahrt eigentlich optimal.

An der Grand Fanes öffnet sich dann der Blick auf die einmalige Fanes-Hochebene – es ist einfach nur schön hier oben. Wir fuhren ein kurzes Stück auf dem Schotterweg, bogen aber bald links in den Weg Nr. 17, der zum Bivacco della Pace hinauf führt, ein magischer Ort, den ich 2013 schon einmal mit TrailXperience besuchen durfte.
Heute aber folgten wir an der Abzweigung auf 2.260 m Höhe dem Wegweiser nach links auf dem „Via della Pace“ Richtung Vallon Bianco. Das erste Stück ist z.T. noch fahrbar, doch nach einiger Zeit kamen die Räder auf den Rucksack und es ging weiter bergauf. Der Weg führt ziemlich spektakulär durch die Felsen immer weiter hinauf. Nachdem wir hinter einer Wegbiegung den weiteren Wegverlauf in den Felsen gesehen hatten (sh. 2. Bild unten), entschlossen sich Michl und ich unsere Bikes zu deponieren und den Rest ohne Übergepäck weiter zu gehen. Matthias, Wolfgang und Sebastian ließen es sich aber nicht nehmen ihre Bikes bis zum Gipfel zu schleppen.

Hier oben war im 1. Weltkrieg eine Artilleriestellung, die Kanonen wurden mit Eseln hinaufgebracht und überall am Wegrand sieht man noch Reste von alten Stellungen, Leitern und Unterkünften der Soldaten. Da bekommt man z.T. schon ein beklemmendes Gefühl, wenn man an das Leid und die Qualen denkt unter denen die Menschen damals hier ihr Leben (und vielfach auch den Tod) erleiden mussten!

Tour- und GPS-Daten:

Entfernung:25 km
Uphill:1.480 Hm
Downhill:1.480 Tm

Die Landschaft und die Ausblicke aber sind einmalig schön! Der Weg führt über Holzbrücken und schmale Stege ziemlich ausgesetzt immer weiter hinauf bis zum Gipfel auf 2.684 Meter. Ein paar Wanderer waren bereits oben und es war recht frisch. So zogen wir uns trockene Klamotten an, verspeisten unsere mitgebrachte Gipfelbrotzeit und genossen die Ausblicke, die uns trotz Bewölkung und Nebelschwaden gegönnt waren.

Dann machten wir uns an den Abstieg bzw. an die Abfahrt zurück zur Fanes. Aber Vorsicht! Wer hier runter fahren will, muss sein Bike 100% im Griff haben – der Weg verzeiht nichts, jeder Fehler könnte der letzte sein! Und wer nicht trittsicher und schwindelfrei ist, hat hier oben definitiv nichts verloren – schon gar nicht auf dem Bike! Sicherheitshalber wurden die meisten schwierigen Stellen geschoben, doch bald wurde es besser und so fuhren wir auf grandiosen Trails, durch eine herrliche Landschaft, inzwischen bei Sonnenschein wieder hinunter zur Grand Fanes, hinauf zum Limojoch und weiter zur Fanes-Hütte.

Diese ließen wir rechts liegen und folgten zunächst der Schotterstraße weiter bergab. Auf ca. 1.960 m Höhe zweigt von der Schotterstraße links ein Bergpfad (Nr. 7) ab. Diesem super schönen Trail folgten wir nun zum Abschluss bis hinunter zur Pederühütte, wo wir gegen 17:30 wieder ankamen.

Auf der Terrasse gab es im letzten Sonnenlicht noch ein hochverdientes Weißbier bevor wir zum Duschen auf die Zimmer verschwanden. Wolfi und ich fuhren noch schnell hinunter Richtung St. Vigil und parkten sein Auto beim Kreidesee in der Nähe des morgigen Trailausstiegs. Anschließend ließen wir es uns beim Abendessen im Restaurant wieder richtig gut gehen, bevor wir müde aber glücklich in die Betten fielen.

Ausgewählte Fotos:

23. September 2018

Monte Sella di Sennes (2.787 m)

Ein weiterer Gipfel, den ich schon längere Zeit im Auge hatte, stand heute auf unserem Programm. Der Monte Sella di Sennes (oder Muntejela de Senes), ist laut Wikipedia mit 2.787 m der höchste Gipfel des Sennes-Gebietes in den Pragser Dolomiten. Nach dem Frühstück packten wir unsere Klamotten zusammen, bezahlten die Zimmer und deponierten das Gepäck in den oben verbliebenen Autos. Um 9:15 Uhr saßen wir auf den Bikes und fuhren ein kurzes Stück die Straße hinauf Richtung Sennes-Hütte. Schon bald aber war mit Fahren nicht mehr viel zu machen, die Straße mit ihren vielen Serpentinen ist (mir) einfach zu steil!

So schoben wir unsere Fahrräder bergauf, fuhren stückweise als es zwischenzeitlich flacher wurde und erarbeiteten uns so in einer Stunde die ersten 400 Höhenmeter bis zum Rifugio Fodara Vedla. Hier machten wir noch keine Pause sondern fuhren weiter auf der Schotterstraße bergauf bis zur Sennes-Hütte auf 2.126 m, die wir gegen 10:45 erreichten. Dort gönnten wir uns auf der Sonnenterrasse einen schnellen Cappuccino und fuhren anschließend weiter hinauf zur Sella di Sennes, die bereits geschlossen hatte. Ein Stück ging es noch zu fahren, doch dann schoben wir unsere Bikes auf dem Weg Nr. 27 weiter bergauf. Schließlich kamen die Räder wieder einmal auf den Rucksack und wir wanderten mit Übergepäck im immer steiler werdenden Gelände dem Gipfel entgegen.

Die einzige kritische Stelle auf ca. 2.560 m Höhe erfordert ein wenig Aufmerksamkeit und idealerweise 2 Hände am Fels, ist aber mit Trittsicherheit und entsprechender Vorsicht gut machbar (sh. 2. Foto unten). Danach wird es wieder flacher und der Hang zieht sich mit mäßiger Steigung die restlichen 200 Höhenmeter dem Gipfel entgegen. Die Aussicht in die umliegenden Berge ist die ganze Zeit über gigantisch und bei dem herrlichen Wetter, das wir an diesem Tag hatten, war es natürlich doppelt schön.

Schließlich erreichten wir um ca. 13:45 den grandiosen Gipfel des Monte Sella di Sennes. Grandios deshalb, weil die Aussicht von hier oben einfach sensationell ist. Ich glaube so einen Aussichtsgipfel habe ich vorher noch nie erlebt, die Sicht ist wirklich der Hammer. Auf der einen Seite schaut man hinunter zum Kronplatz, auf der anderen Seite sieht man hinunter ins Val de San Berto, durch das wir herauf gekommen waren und ins Valun de Fanes. In der Ferne sieht man die Drei Zinnen, die Civetta, die Marmolada und viele weitere mit leider meist unbekannte Gipfel. Allein für die herrliche Aussicht lohnt sich dieser Gipfel auf jeden Fall!

Nach einer 3/4 Stunde ging es dann auf den Bikes auf dem selben Weg zurück bis zum Steilstück, hier wurden die diese wieder getragen aber nach einem kurzen Stück war es (trotz losem Schotter) meist wieder fahrbar.

Tour- und GPS-Daten:

Entfernung:20 km
Uphill:1.430 Hm
Downhill:1.660 Tm

Auf ca. 2.450 m nahmen wir einen Abkürzer und querten den Hang hinüber bis zum Weg 24A, der zum Sennesjoch (Ju de Senes) auf 2.519 m hinauf führt. Diesem folgten wir bis zum Joch, das wir, genau wie das darauf folgende Schotter-Steilstück, bereits vom Gipfel aus gesehen hatten.

Durch die steile Schotter-Reißn schoben wir unsere Bikes anschließend wieder bergab, an ein Fahren war hier großteils nicht zu denken. Erst als es etwas flacher wurde, trauten wir uns wieder auf die Bikes und rollten schließlich auf dem Weg Nr. 24 durch das Munt de Gröpes mit etlichen Gegenanstiegen Richtung Nord-Osten bis zur einer Weggabelung auf 2.167 m. Von hier folgten wir dann dem genialen „Vergessenen Trail“ auf dem Weg Nr. 25 durch das Val de Ciastlins wieder hinunter ins Rautal. Anfangs super flowig und absolut genial zu fahren wird der Trail nach unten raus immer technischer, bis schließlich am Wasserfall „Fontane de Ciastlins“ an ein Fahren nicht mehr zu denken ist. Das kurze Trage- Schiebestück nimmt man aber gerne in Kauf, schließlich geht es bald danach nochmal technisch – flowig weiter, bis man letztendlich mit einem sehr breiten Grinsen im Gesicht in der Nähe des Kreidesees wieder auf die Straße trifft.

Mit dem am Vorabend abgestellten Auto von Wolfi shuttelten wir hinauf zur Pederü und holten die restlichen Autos, in die wir schließlich Bikes und Gepäck verluden. Dann fuhren wir nach St. Vigil, wo wir zum Abschluss mit einem verdienten After-Trail Bier nochmal auf die grandiosen Tage hier in den Fanes-Dolomiten anstießen.

Letztendlich machten wir uns alle schweren Herzens wieder auf den Weg nach Hause, wo wir nach etlichen Staus erst relativ spät ankamen.

Ausgewählte Fotos:

Die drei Tage in den Dolomiten waren wieder einmal der Hammer! Der Kronplatz ist zum eingrooven sehr nett und bietet Freeride-Trials mit Gondelunterstützung in allen Schwierigkeitsklassen. Das Highlight waren aber die beiden Hochgebirgs-Gipfeltouren in den Fanes- und Pragser Dolomiten. Geniale Landschaften, super Gipfel, herrliche Ausblicke und sehr geniale technische und flowige Trails – Biker-Bergsteiger-Herz was willst Du mehr?

Vielen Dank an die Rabe-Bike Friends Matthias, Michl, Sebastian und Wolfi für die tolle Kameradschaft und vor allem für die sehr gute Selbsteinschätzung auch an kritischen Stellen! Es gibt nicht allzu viele Bike-Buddies mit denen ich so etwas mit einem so guten Gefühl machen würde!

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert.

Beitragskommentare